Bierwissen Part I – Biergläser

Biergläser

Es gibt hunderte von Biergläsern da draußen und obwohl man es nicht übertreiben muss, spielt die Wahl des Glases durchaus eine nicht ganz unwichtige Rolle beim Biergenuss.

Verschiedene Biergläser haben verschiedene Eigenschaften. Sie beeinflussen unser Trinkverhalten und akzentuieren die Eigenschaften des Bieres unterschiedlich.

Wenn du ein Bier gezielt verkosten möchtest, eignen sich spezielle Degustationsgläser. Es gibt sie in verschiedenen Varianten. Gemeinsam haben sie jedoch alle ihre bauchige, nach oben sich verjüngende Form. Diese Glasform bewirkt die beste Entfaltung aller im Bier enthaltenen Aromen und verteilt das Bier gleichmäßig im Mundraum und auf der Zunge. Zudem lassen sich Farbe und Schaumbildung und Perlage gut bestimmen.

Wenn du ein Bier „einfach“ genießen möchtest, ist mitunter eine andere Glasform besser geeignet.

Welche Glasform für welches Bier?

Vorweg zunächst einmal: Wenn du kein spezielles Bierglas zur Hand hast, aber ein gutes Bier bereit steht, schnapp dir einfach ein Weinglas. Das eignet sich auch gut zum Genießen.

Wenn du aber doch mal ein oder zwei spezielle Biergläser kaufen möchtest, findest du in diesem Artikel eine kleine Auswahl verschiedener Glastypen.

Es gibt allerdings fast nie nur das eine “richtige” Glas für einen bestimmten Bierstil, da erstens verschiedene Gläser ähnliche degustatorische Eigenschaften haben können und zweitens auch die verschiedenen regionalen Trinkgewohnheiten eine Rolle beim Biergenuss spielen, zu denen auch oftmals ein bestimmtes Glas gehört. Man denke hier zum Beispiel an die Humpen von Pilsner Urquell oder aber das typische Weizenbierglas.

Aber auch mit diesen kleinen Einschränkungen im Hinterkopf, macht es einfach unheimlich Spaß, ein und dasselbe Bier mal aus drei oder vier verschiedenen Gläsern zu verkosten und auf die Unterschiede im Trinkverhalten und in der Geschmackswahrnehmung zu achten, die die einzelnen Glasformen mit sich bringen.

Das Wichtigste ist bei allen Gläsern, dass sie auber und frei von Spülmittelresten sind. Diese Zerstören nämlich im Handumdrehen die Schaumkrone. Dagegen hilft, das Glas vor Gebrauch mit kalten, klarem Wasser auszuspülen.

Die Pilstulpe

Beginnen wir mit einem Bierglas, das vermutlich jeder kennt. Die Pilstulpe ist eines der drei weitverbreitetsten Biergläser in Deutschland.

Die Form ist bauchig, das Glas meist dünnwandig und relativ hoch. Nach obenhin verjüngt sich der Bauch wieder. Diese Form sorgt unter anderem dafür, dass das Bier seine Bitterhopfennoten zur Geltung bringen kann und der Schaum recht stabil im Glas bleibt. Außerdem fließt das Bier relativ zügig direkt in die Mitte des Mundraumes. Denn mal ganz ehrlich: Ein Pils will frisch und schnell genossen werden!

Das Weißbierglas

Das zweite der drei weitverbreitetsten Biergläser in der Bundesrepublik und ein weiterer Klassiker. Ein langes, schlankes und dickwandiges Bierglas, das dem Charakter eines Weizenbieres gleich mehrfach gut zupass kommt.

Da wäre zum einen der lange, schlanke untere Teil des Glases, wo die Hefe (Weizenbier wird in Flaschengärung hergestellt!), die aus der Flasche mir ins Glas geschenkt wurde, sich schön am Boden absetzten kann und somit nicht mitgetrunken wird.

Zum anderen kann sich in dem oben leicht gewölbten Kopf des Glases die für das Weißbier so typische schöne und stabile Schaumkrone besonders lange halten.

Schließlich verhindert das dickwandige Glas ein schnelles Erwärmen des Bieres und trägt so zum Trinkgenuss bei.

Der Willybecher

Der Willybecher ist der dritte Star unter den deutschen Biergläsern. Er wurde 1954 von Willy Steinmeier erfunden und ist mit jährlich circa 10 Millionen Exemplaren das meistverkaufteste Bierglas Deutschlands.

Es gibt das Glas mit verschiedenen Fassungsvermögen. Gemeinsam ist ihnen allen die doppelkonische Form, das Glas ist auf etwa 80 Prozent seiner Höhe breiter als am Boden und am oberen Glasrand.

Meist ist das Glas relativ dünnwandig und zeichnet sich durch eine rasche Fließgeschwindigkeit aus. Hier hält sich der Schaum kürzer als zum Beispiel in der Pilstulpe. Der Willybecher unterstreicht noch mehr als die Pilstulpe den Zeitfaktor, der beim Genuss dieser Biersorte angesetzt werden sollte. Nur nicht zu lange an einem Glas nippen. Ein frisches Helles schmeckt halt immer noch am besten.

Der Bierkrug

Der Bierkrug, auch Humpen oder Bierseidel genannt, ist das mit Abstand älteste heute noch im großen Maßstab verwendete Biergefäß.

Seinen Ursprung hat er im 16. Jahrhundert im deutschen Sprachraum. Er kann aus Stein, Silber, Zinn, Keramik oder Glas bestehen und zeichnet sich durch eine zylindrische oder konische Form aus. Ebenfalls typisch ist der Henkel an der Seite des Glases sowie bei älteren Exemplaren oftmals ein Scharnierdeckel mit Daumenrast.

Heutzutage sind die Bierhumpen meist aus dickem Glas geformt und vor allem noch in Bayern und Tschechien sehr verbreitet.

Das Pintglas

Dieser Glastyp kommt ursprünglich aus England. Daher auch sein Name. Ein Pint ist ein typisches britisches Biermaß und umfasst 568ml. In Deutschland ist dieses Bierglas durch die Irish Pubs populär geworden. Aber auch in Craft Beer Bars ist dieser Glastyp vermehrt anzutreffen.

Er zeichnet sich durch eine nach oben breiter werdende Form aus. Oft findet sich kurz unterhalb des Glasrandes noch eine Auswölbung.

Das Pintglas ist für eine Vielzahl von Bieren geeignet, vom britischen Stout, über English Bitters zu allen möglichen Formen von Ales.

Auch hier ist der Rand oftmals sehr weit und dünnwandig, was dazu führt, dass das Bier rasch auf den hinteren Teil der Zunge gelangt, wo sich vor allem Geschmacksknospen für Bitterkeit finden. Somit wird die Bittere dieser Biere noch mehr zur Geltung gebracht.

Das IPA-Glas

Auch wenn sich das Pintglas recht gut für hopfenbetonte Biere wie IPA eignet, hat sich doch im Zuge der Craft-Beer-Bewegung ein neues Standard-Ipa-Glas hervorgetan.

Es zeichnet sich vor allem durch seine geriffelte Glaswände am unteren, schmalen Teil des Glases aus. Das Glas wird nach oben hin breiter und wölbt sich leicht, um dann zum Rand hin wieder schmaler zu werden. Das IPA-Glas ist dünnwandig, besonders am Rand.

Wird nun das Bier zum Mund geführt und dabei leicht gekippt, bewirkt die geriffelte Form am Stiel des Glases eine größere Zirkulation des Bieres als bei anderen Glasformen und bringt dadurch die für die IPAs so bekannten Aromahopfenprofile mehr zur Geltung.

Hier ist der Unterschied zu anderen Glasformen besonders deutlich zu merken. Man nimmt schlichtweg mehr Aromen wahr. Die bauchige Wölbung verstärkt das Aromaerlebnis noch und sorgt zugleich für eine längere Haltbarkeit des Schaumes. Durch den dünnen Glasrand gelangt das Bier schnell auf den mittleren und hinteren Teil der Zunge, wodurch der zweite für IPAs so wesentliche Charakterzug, eine meist stark ausgeprägte Bittere, zur Geltung gebracht wird.

Das Stout-Glas

Das moderne Stout-Glas wird vor allem für malzbetonte Biere wie Porter und Stouts, aber auch für Schwarz- und Dunkelbiere gerne benutzt.

Dem IPA-Glas recht ähnlich, zeichnet sich das moderne Stout-Glas ebenfalls durch einen dünnen Griff und eine geschwungene Wölbung im mittleren Glasbereich aus. Allerdings ist bei diesem Glas die Wölbung noch ausgeprägter, damit sich der Malzkörper der Biere besser entfalten kann. Auf die Riffelung des Griffs ist bei diesem Glas verzichtet worden.

Auch wenn sich für dunkle, röstmalzbetonte Biere auch andere Glasformen wie zum Beispiel die Tulpe, ein Verkostungsglas oder das Pintglas ebenfalls eignen, setzt sich das spezielle Stout-Glas immer mehr durch und ist dementsprechend häufiger zu sehen.

Der Trappistenkelch

Der Trappistenkelch ist, wie der Name bereits verrät, ein typisches belgisches Bierglas.

Es eignet sich sowohl für hocharomatische, komplexe und schwere Biere wie auch für leichte, spritzige und wild-fruchtig-saure Biere gut. Durch die weite Öffnung verliert das Bier schnell an Kohlensäure, was bei den oftmals stark karbonisierten Bieren jedoch durchaus erwünscht ist.

Des Weiteren bedingt die nach oben hin weit geöffnete Form dieses Glastyps eine gute Schwenkbarkeit des Bieres und eine gute Entfaltung der einzelnen Aromenprofile der Biere.

Das Verkostungsglas

Wie bereits zu Beginn dieses Artikels erwähnt, gibt nicht das eine Verkostungsglas.

Vielmehr zeichnen sich die Verkostungsgläser durch eine bauchige, sich nach oben verjüngende Form aus, die die Aromen gut bündelt.

Zudem haben diese Biergläser oftmals einen Stil oder aber einen dicken Griff, sodass das Bier nicht direkt durch die Hand aufgewärmt wird, das Bier besser geschwenkt werden kann und die Farbe des Bieres besser betrachtet werden kann.

Das wohl bekannteste Bierverkostungsglas ist der Teku-Pokal. Das Glas wurde 2010 von einer italienischen Tochterfirma von Rastal in Zusammenarbeit mit dem italienischen Brauer Teo Musso und dem Biersommeliere Lorenzo Dabove entwickelt und sorgte damals aufgrund seiner eher an ein Rotweinglas erinnernden Form für großes Aufsehen.

Der Teku-Pokal hat einen langen, dünnen Stil und setzt dann zu einer ausgeprägten runden Wölbung an, die zum Rand hin relativ schmal zuläuft. Das letzte Stück vor dem Glasrand ist zudem nochmals leicht nach außen gewölbt.

Der Teku-Pokal war gewissermaßen der Startschuss für eine Entwicklung, die der Aromenvielfalt und Komplexität von Bier auch in Form von besonders geformten Gläsern Rechnung tragen will und es damit auf eine Genussstufe mit anderen hochwertigen alkoholischen Genussprodukten wie Wein, Cognac oder Whiskey stellt.

Was lernen wir daraus?

Das perfekte Bierglas gibt es nicht. Auch nicht das Richtige. Vielmehr gibt es eine Vielzahl an Gläsern, die fast alle ihre Berechtigung haben.

Gleichwohl gibt es für bestimmte Biersorten bestimmte Biergläser, die geeigneter sind als andere und die den besonderen Charakter einer Biersorte besonders gut zum Tragen bringen.

Wenn du nur ein besonderes Glas zur gelegentlichen Verkostung haben möchtest, empfiehlt sich ein Degustationsglas. Wenn du häufiger einen bestimmten Bierstil trinkst, lohnt es sich, über die Anschaffung eines speziell für diesen gefertigten Bierglases nachzudenken.

Und die Sammler und Biernerds wollen wahrscheinlich so viele verschiedene Biergläser wie möglich Zuhause haben.

Und falls im Restaurant oder auf dem Geburtstag des Arbeitskollegen mal kein spezielles Bierglas zur Hand sein sollte, aber ein besonderes Bier bereit steht, einfach nach einem Weinglas fragen. Das haben ja schließlich fast alle.

Inspiration für die nächste Bierverkostung und außergewöhnliche Bierspezialitäten findest du übrigens in unserem Online-Shop. Viel Freude beim Verkosten und cheers!

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